Deutsche Friedensgesellschaft - Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen

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Berufungsprozess wegen „Hausfriedensbruch“ gegen Friedensaktivistin

NICHT am 30.9.2021 in Koblenz, sondern "aus dienstlichen GrĂĽnden" verschoben auf Donnerstag, 6. Januar 2022

Aktiv gegen den Atomkrieg

„Ein Damoklesschwert schwebt ĂĽber uns allen: das Damoklesschwert eines Atomkriegs – und sei es auch einer aus Versehen. Denn der ist jederzeit möglich, so der Informatiker Prof. Karl Hans Bläsius“, erklärt die Journalistin Ariane Dettloff (77) ihr Engagement fĂĽr den Abzug der US-Atomwaffen aus dem Bundeswehrstandort BĂĽchel in der Eifel. Dieses bringt sie nun erneut vor Gericht, denn die bisherige hiesige Rechtsprechung sieht ihr Go-In auf das Gelände der Massenvernichtungswaffen am 30.4.2019 als „Hausfriedensbruch“. Sie selbst begrĂĽndet ihre gemeinsam mit 16 weiteren Friedensaktivist*innen begangene Tat mit den Worten: „Der Ausstieg aus der Atomenergie erfolgte erst nach Tschernobyl und Fukushima; der Klimawandel wurde erst nach Katastrophen wie DĂĽrresommern und mörderischen Fluten ernst genommen. Bei einem Einsatz der Atomwaffen wäre keine Hilfe mehr möglich: auch alle Ă„rzte in weitem Umkreis wären tot oder schwerst geschädigt, die Krankenhäuser zerstört, die Umgebung durchweg radioaktiv verseucht. Denn die Atombomben in BĂĽchel haben eine vielfache Vernichtungskraft der Bomben von Hiroshima und Nagasaki. Sie sollen nun „modernisiert“ werden – ausdrĂĽcklich, um sie b e s s e r  e i n s e t z b a r “ zu machen.“ Laut der US-amerikanischen „Nuclear Posture Review“ sind sie sogar auch fĂĽr einen Erstschlag vorgesehen. FĂĽr die ins Auge gefassten Gegner ist daher der Eifeler Atobombenstandort ein logisches Angriffsziel. Dem vorzubeugen zu versuchen ist Dettloff bereit, selbst eine Gefängnisstrafe auf sich zu nehmen.

Zivilen Ungehorsam hält die 77Jährige angesichts des Verbrechens einer Vorbereitung von und Drohung mit einem Atomkrieg für angemessen und beruft sich auf berühmte Vorbilder: Martin Luther King ist rund 120 Mal verhaftet worden. Gandhi war in Indien etwa sechs Jahre in Haft, bis die Unabhängigkeit erkämpft war. Er pflegte seinen Mitstreiter*innen, die wegen Zivilen Ungehorsams im Gefängnis waren, zu gratulieren.

Die angeklagte Friedensaktivistin verlangt den Beitritt der Bundesrepublik Deutschland zum Atomwaffenverbotsvertrag der Vereinten Nationen und die Beendigung der „Nuklearen Teilhabe“, die gegen den Atomwaffensperrvertrag verstößt.

Dettloff ist gespannt auf das Urteil des Landgerichts in Koblenz und hofft auf einen „Mutanfall“ ihres Richters: Freispruch wegen Notwehr gegen ein anders nicht abwendbares schweres Unrecht, gegen den Bruch des Friedensgebots des Grundgesetzes sowie den Verstoß gegen das in Artikel 2 verbriefte Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit, entgegen dem Völkerrecht und dem Menschenrecht auf Frieden, wie es in der UN-Charta verankert ist.

Bestärkt sieht sich Ariane Dettloff durch einen Offenen Brief von 56 ehemaligen UN-Politikern, Staats- und Regierungschefs sowie Außen- und Verteidigungsministern aus NATO-Staaten, Japan und Südkorea: „Früher oder später wird unser Glück uns verlassen – wenn wir nicht handeln. Es gibt keine Heilung für den Atomkrieg. Prävention ist unsere einzige Chance“, heißt es darin.

 UnterstĂĽtzt wird Ariane Dettloff u.a. von der DFG-VK (Deutsche Friedensgesellschaft - Vereinigte Kriegsdienstegner*innen) und den deutschen Quäkern, deren Mitglied sie ist. Als Pazifistin sieht die Kölner Redakteurin der Zeitung fĂĽr Selbstorganisation „Contraste“ sich aufgerufen, alles ihr Mögliche zu tun, um einen nuklearen Holocaust abzuwenden. 

Das Amtsgericht Cochem hatte Ariane Dettloff wegen des unerlaubten Betretens des Atomwaffenstandorts Büchel am 12.4.2021 zu einer Strafe von 40 Tagessätzen, ersatzweise Haft, verurteilt.

Falls im Fall einer Verurteilung im Berufungsverfahren und Ablehnung einer möglichen Revision das Bundesverfassungsgericht ihre geplante Beschwerde hiergegen nicht zulassen sollte, will Dettloff den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Strasbourg anrufen.

Gerichtsverfahren im Landgericht Koblenz NICHT am Donnerstag, 30.9.2021, sondern "aus dienstlichen GrĂĽnden" verschoben auf 6. Januar 2022
Karmeliterstr.14

Pressekontakt: Katja Tempel 0160 4400206

Ariane Dettloff freut sich auf Interviews vor und nach dem Prozess Tel. 0221-315783 und 0176-53766189, Email ariane.dettloff@contraste.org 

 

Fotos
Fotos der "Go In"-Aktion vom 30.4.2019 im Flickr-Album „Büchel17“: flic.kr/s/aHsmCTZ3f8
Ariane Dettloff vom 12.4.2021 vor dem Amtsgericht Cochem auf Flickr: flic.kr/p/2kSsXoz
Alle Fotos bei Namensnennung frei verwendbar

Dokumente
Ariane Dettloff: Einlassung vor dem Amtsgericht Cochem am 12.4.2021:
https://www.friedenkoeln.de/wp-content/uploads/2021/04/20210406-Einlassung-Ariane-Dettloff-Amtsgericht-Cochem_final.pdf

Informationsseite „Atomkrieg aus Versehen“: atomkrieg-aus-versehen.de

 

Mehr zu Aktionen in BĂĽchel:

Menschenkette am 5. September: Videos

Weitere Prozesse wegen Aktionen in BĂĽchel gegen Atomwaffen

Rede bei der Kundgebung "25 Jahre Widerstand gegen die Atomwaffen in BĂĽchel. Auch in Mainz!" 18.6.2021

 

 

 

Letztes Update: 12.10.2021 13:04
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