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„Il ne faut jamais jouer à la guerre. Ҫa fait pleurer les Mamans.“ „Bitte niemals Krieg spielen. Das bringt Mütter zum Weinen.“ Aus dem Chanson Petit Papa Noël (Kleiner Weihnachtsmann) 1944
Es ist kaum bekannt, dass der erste Originaltext von Petit Papa Noël 1944 entstand und vom Krieg handelt. Die deutschen Besatzer zensierten das Lied. Auf französischer Seite wirkten 1946 die Behörden darauf ein, dass der Text umgeschrieben wurde. Man sollte den Schrecken des Krieges vergessen. Und heute, fast 80 Jahre danach? Wie bewusst gehen wir heute mit dem Schrecken der Kriegsgefahr um?
Liebe Frau Rehlinger, wir sind saarländische Mütter und Väter. Die realen Schrecken des Krieges finden gerade mitten in Europa statt. Wir machen uns große Sorgen um die Zukunft unserer Kinder. Sie sind Mutter eines Sohnes, der nächstes Jahr der Wehrerfassung und vielleicht auch bald der Wehrpflicht unterliegt. Wir haben eine Bitte: Nehmen Sie sich während des Weihnachtsfestes etwas Zeit um über unsere Fragen vielleicht auch mal aus Elternperspektive nachzudenken.
Sind Sie sicher, dass wir momentan wirklich auf einem Weg zu mehr Sicherheit für unser Land sind? Deutschland unterstützt einen Krieg, der nicht gewonnen werden kann. Wir befinden uns in einer irrwitzigen Aufrüstungsspirale, die uns vielleicht schon bald in einen direkten Krieg mit dem kriegsverbecherischen Regime Putins hineinzieht.
Wieso wird allein auf militärische Stärke gesetzt und komplett auf realistische diplomatische Iniativen verzichtet? Bitte verweisen Sie nicht sofort auf die zweifelsohne vorhandene Schuld Russlands. Jeder Konflikt, auch der zwischen Staaten, kennt mindestens zwei Seiten. Und jede Seite hat Möglichkeiten zur Deeskalation.
Können Sie es vertreten, den Menschen im Saarland zu erzählen, dass Jobs in der Rüstungsindustrie die Wirtschaftskrise unseres Bundeslandes nachhaltig bremsen? Der neue Rüstungsauftrag für Transportpanzer in Freisen ist keine frohe Botschaft vor dem Fest. Laut einer Studie des Universität Mannheim liegt die wirtschaftliche Ausschöpfung von einem Euro in Rüstung bei maximal 50 Cent. Hingegen erzeugt jeder ausgegebene Euro für Bildung, Infrastruktur und Kinderbetreuung „das Zwei- bis Dreifache an zusätzlicher Wertschöpfung“.
Im offiziellen Lebenslauf des Saarlandes betonen Sie, dass Sie römisch-katholisch seien. Können Sie es mit den Werten der römisch-katholischen Weltkirche vereinbaren, unser Bundesland auf Kriegstüchtigkeit einzuschwören?
Papst Leo spricht ausdrücklich von der „falschen Propaganda der Aufrüstung“. Er fragt sich, „wie man nach Jahrhunderten der Geschichte“ glauben kann, dass Waffen „Frieden bringen und sich nicht gegen jene wenden, die sie führen?" Wir zitieren hier bewusst nicht die deutschen Bischöfe, sondern das Oberhaupt einer Weltkirche, die in ihrer Mehrheit Länder vertritt, welche im Ukraine-Konflikt neutral sind.
Es wäre schön, wenn Sie ehrliche Minuten zum Nachdenken finden könnten.
Im Chanson Petit Papa Noël heißt es am Schluss: „Et pour que Maman ne soit plus si triste fais revenir mon Papa.“ Der kleine Junge möchte nur noch, dass sein Vater aus dem Krieg heimkehrt. Bitte, setzen Sie sich dafür ein, dass es für die Menschen im Saarland nicht so weit kommt.
In diesem Sinne wünschen wir Ihnen alles Gute zum Fest und hoffen trotz allem auf friedlichere Perspektiven für die Zukunft.
Ihre Mütter und Väter aus dem FriedensNetz Saar und der DFG-VK Gruppe Trier
Offener Brief als pdf-Datei